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Erfahrungsberichte von aktuellen und ehemaligen Freiwilligen:

Hannah Lillig berichtet von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Förderschule

Trier – „In der Förderschule ist jeder Tag und jedes Kind wie eine Wundertüte: Du weißt nicht, was dich als nächstes erwartet“, lacht Hannah Lillig. Die schlanke junge Frau mit den blonden Locken gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Freiwilligendienst an der Porta-Nigra-Schule in Trier erzählt, einer Förderschule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Mit ihrem Abitur in der Tasche entschied sich Lillig, nicht wie viele ihrer Mitschüler ins Ausland zu gehen oder sofort ein Studium zu beginnen, sondern ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren – begleitet von dem katholischen Träger „Soziale Lerndienste im Bistum Trier“. Und das, obwohl sie ihren Berufswunsch seit ihrer Kindheit fest vor Augen hat: Medizin studieren und Ärztin werden.

„Ich wollte ein Jahr komplett raus, etwas ganz anderes machen, arbeiten“, erklärt die 18-Jährige ihre Motivation für ein FSJ. Ihre Entscheidung für die Porta-Nigra-Schule fiel schnell: „Ich hatte schon recht viel Vorerfahrung in der Arbeit mit Kindern und wusste, dass mir das unheimlich viel Freude bereitet. Von daher war von Anfang an klar, dass es der pädagogische Bereich werden sollte. Da ich aber vor allem auch ganz neue Erfahrungen sammeln wollte und das Konzept einer Förderschule zuvor noch nicht kennengelernt hatte, entschied ich mich für die Porta-Nigra-Schule.“ Direkt nach ihrer letzten Abi-Prüfung hospitierte sie eine Woche lang an der Trierer Förderschule und war sofort begeistert: „Das pädagogische Konzept ist einfach toll und das Kollegium super nett. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und es sind auch richtige Freundschaften außerhalb der Arbeit entstanden.“

„Ich konnte sehr viel selbstständig machen und eigene Ideen einbringen“

Über einen langweiligen oder monotonen Arbeitsalltag konnte sich Lillig in den nächsten Monaten nicht beklagen: Sie arbeitete in einer Klasse mit sieben jüngeren Kindern, darunter Kinder mit Autismusspektrumsstörung, Entwicklungsverzögerung oder Trisomie 21. „Die Kinder waren zwischen acht und neun Jahre alt und hatten alle sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten. Man muss einfach spontan schauen, was die Kinder einem anbieten oder brauchen“, berichtet Lillig. Grob strukturiert sehe der Tagesablauf so aus: „Morgens um viertel nach acht werden die Kinder mit Bussen zur Schule gebracht und um halb vier wieder abgeholt. Jeden Morgen haben wir einen Morgenkreis gemacht, bei dem ich viele eigene Ideen einbringen konnte. Dann wurde gefrühstückt und wir waren mit den Kindern auf dem Schulhof. Neben dem Erlernen von Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben haben wir viel Zeit mit Projekten verbracht. Zum Beispiel haben die Kinder das Buch ‚Elmar, der karierte Elefant‘ als Theaterstück gespielt und passend dazu viel zum Sachthema Elefanten gelernt.“ Außerdem gebe es verschiedene Therapien wie Schwimmen oder Reiten, so die 18-Jährige. „Wir haben auch Mobilitätstraining mit den Schülern gemacht – etwa, wie ich mich im Straßenverkehr bewege, Bus fahre oder einkaufen gehe.“ Auch unterstützte Kommunikation, wie zum Beispiel Gebärden, und vor allem auch das Musizieren spielen im Alltag eine große Rolle: „Es ist faszinierend, wenn Kinder, die sonst im Alltag kaum sprechen, beispielsweise ganze Texte auswendig mitsingen.“

Freude über jeden Erfolg der Kinder

Jeder Schüler, so betont Lillig, lerne in seinem eigenen Tempo und im Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten – Vergleiche und Schulnoten gebe es nicht. „Man freut sich über alles, was das Kind schafft, über jeden kleinen Fortschritt. Und sei es, dass ich ein halbes Jahr lang mit einem Kind geübt habe, bis zehn zu zählen. Immer hat es die drei vergessen – und nach einem halben Jahr hat es dann geklappt und die Freude war riesig.“ Von Anfang an habe sie vieles selbst machen dürfen, ihr sei großes Vertrauen entgegen gebracht worden, erzählt Lillig. Wenn sie unsicher war oder Sorgen hatte, konnte sie sich immer an ihre Kolleginnen wenden. Gerade zu Anfang habe sie manchmal vor ungewohnten Situationen gestanden, wenn Kinder „bockig“ waren oder Wutanfälle bekamen. Mit der Zeit habe sie dann für jedes Kind individuelle, kreative Lösungen im Umgang entwickelt – jeden Tag neu. „Aber als schwieriger habe ich es empfunden, wenn es Kindern nicht gut ging und ich ihnen nicht helfen konnte, etwa, wenn ein Kind mit einer Sprachstörung mir von etwas erzählen wollte, ich es nicht verstanden habe und gemerkt habe, dass das Kind immer mehr verzweifelt. Gerade weil man in so einer kleinen Gruppe ein sehr enges Verhältnis zu den Kindern bekommt und sie einem so sehr ans Herz wachsen.“ Doch abgesehen von solchen Ausnahmen, sei es für sie überraschend gewesen, wie schnell sie die Behinderung der Kinder nicht mehr wirklich wahrgenommen habe. „Ich hatte erwartet, dass die Behinderungen insgesamt im Alltag präsenter sind. Ich habe noch nie zuvor eine Schule erlebt, an der jeder Tag von so viel Lebensfreude und Herzlichkeit geprägt ist. Das hat mich sehr berührt. “

Erfüllende Arbeit, die Selbstbewusstsein fördert

Nach einem knappen Dreivierteljahr kam dann für Lillig eine große Zäsur in ihrem FSJ: Der Corona-Shutdown betraf auch die Porta-Nigra-Schule. Von jetzt auf gleich war die Schule geschlossen, später im Notbetrieb. „Ich bin freiwillig weiterhin zur Schule gegangen, weil ich die Zeit dort sehr genossen habe. Da ich schon gut eingearbeitet war, konnten sie mich einsetzen und ältere oder gefährdete Kollegen eher mal zuhause bleiben.“ In den letzten Monaten half Lillig dabei, Materialien für die Kinder vorzubereiten, führte ein Schulblog, baute eine „Matschküche“ auf dem Schulhof und bemalte selbigen. Obwohl sie nicht mehr alle ‚ihre‘ Kinder sehen konnte, feierte sie einen kleinen Abschied mit einigen Kindern und dem Kollegium, bevor es für sie in ein Krankenpflegepraktikum im Brüderkrankenhaus ging: „Mein Herz hängt noch immer an der Medizin, aber dadurch, dass das Jahr so schön war, sind zwischendurch auch Zweifel gekommen, ob ich nicht doch Sonderpädagogik studieren soll. Aber ich möchte einfach später Medizin mit diesem Bereich verbinden – vielleicht als Kinderärztin“, sagt Lillig.

Was sie aus ihrem FSJ mitnimmt?

„Ich habe mich persönlich weiterentwickelt, habe mehr Selbstbewusstsein und obwohl ich sonst ein „Planer“ bin, habe ich bemerkt, wie schön es auch sein kann, in Situationen ganz intuitiv zu handeln. Ganz oft habe ich den Standardsatz von Leuten gehört ‚ich könnte das aber nicht, an einer Förderschule arbeiten‘. Das finde ich total schade, denn die Leute wissen gar nicht, was sie verpassen. Auch wenn es sich kitschig anhört – die Kinder geben einem so viel zurück und es ist eine wahnsinnig erfüllende Arbeit. Wenn ein Kind, das sehr scheu ist, sich nach einem halben Jahr plötzlich beim Essen auf deinen Schoß setzt – solch besondere Momente werde ich nie vergessen.“


Malissa Knobloch absolviert ihr FSJ bei der Lebenshilfe Trier

Trier - Nachdem ich meine Ausbildung als Altenpflegerin wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig beenden musste, habe ich nach einer anderen sozialen Arbeit gesucht, in der ich mich wohlfühle und weiterentwickeln kann.

Ich rief bei den Sozialen Lerndiensten an und sie haben mir eine freie FSJ Stelle in der Villa Henn angeboten. Die Villa Henn ist eine Tagesförderstätte für alle Erwachsenen mit einer geistigen bzw. körperlichen Behinderung, die nicht bzw. nicht mehr in der Lage sind, in den Lebenshilfe Werken zu arbeiten. Sie bietet ihnen, neben ihrem Zuhause und ihrem Alltag im Wohnheim, einen zweiten Lebensraum.

In der Tagesförderstätte versuchen wir die Fähigkeiten der betreuten Menschen zu erhalten bzw. zu erweitern. Wir versuchen sie so weit wie möglich in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Die frühste Aufnahme ist nach Beendigung der Schulpflicht möglich. Also mit ungefähr 18 bis 20 Jahren. In der Villa arbeiten Heilerziehungspfleger, Erzieher, Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Schüler der Heilerziehungspflege. Die Schwerpunkte der Tagesförderstätte liegen in der Umsetzung der Betreuung, Förderung, Arbeit, Pflege, Sport, Freizeit, Bildung und Integration der Behinderten Menschen. Die Besucher und ihre Angehörigen sollen ein weitergehendes erfülltes und selbstbestimmendes Leben in unserer Gemeinschaft haben.

Unterstützung bei den täglichen Aufgaben

Nach einem Hospitationstag in der Villa Henn war ich direkt begeistert und durfte dort auch am 01.12.2019 mein FSJ beginnen. Je länger ich Zeit in der Tagesförderstätte verbracht habe desto mehr merkte ich, wie viel die betreuten Menschen eigentlich selber übernehmen können. Ich durfte von Anfang an sehr viele Aufgaben übernehmen, was mir sehr viel bedeutet hat. Ich konnte meine Kollegen in sehr vielen Aufgaben unterstützen bzw. sie ihnen abnehmen. Ich bin mit den Betreuten einkaufen gegangen, habe mit ihnen gesungen und Spiele gespielt. Wir haben hauswirtschaftliche Aufgaben erledigt, wie z.B. den Tisch zusammen decken und wieder abräumen. Manchen Klienten musste ich Essen und Trinken anreichen. Die Pflege von vielen Betreuten habe ich auch übernommen.

Neue Aufgaben im Wohnheim

Als wir dann durch die Corona - Pandemie im März die Tagesförderstätte schließen mussten, wurden wir auf die Wohnheime aufgeteilt. Viele meiner Kollegen und ich wurden dann im Wohnheim in der Theobaldstraße eingesetzt. Das war zuerst eine große Umstellung. Doch durch die Unterstützung meines Kollegen, mit dem ich in einer Gruppe eingeteilt war, konnten wir uns sehr schnell an den Tagesablauf gewöhnen. Im Wohnheim waren viele Aufgaben anders als in der Tagesförderstätte.

Meine hauptsächlichen Aufgaben waren, mit den Bewohnern spazieren gehen, Spiele spielen, etwas vorzulesen, Fernsehen schauen, wenn nach Möglichkeit etwas zu backen oder zu kochen, die Pflege der Betreuten wie z.B. Toilettengänge und duschen und natürlich sie so oft es geht zum Lachen zu bringen. Ich konnte die Betreuten mal von einer ganz anderen Seite erleben, als man das in der Tagesbetreuung oft mitbekommt. Durch die zwei Therapeutinnen, die aus der Tagesförderstätte mit ins Wohnheim gekommen sind, konnten wir auch so gut es ging bei den Klienten die körperlichen Fähigkeiten aufrecht erhalten.

Persönliche Weiterentwicklung

Wenn ich an mein FSJ zurückdenke würde ich mich gerne bei den Kollegen und Kolleginnen aus meinen beiden Gruppen bedanken, für die liebe Aufnahme und das Verständnis mir gegenüber. Ich habe viel im Zusammenhang über die Klienten und deren Krankheiten gelernt. Ich konnte mich bei Fragen immer an sie wenden und musste nie etwas tun, bei dem ich mich unwohl fühlte. Vor allem möchte ich aber meinem Kollegen, mit dem ich im Wohnheim auf einer Gruppe die Tagesbetreuung geleistet habe, danken. Er hat mich sehr gut durch die ganze Zeit der Corona – Pandemie begleitet, hatte immer ein offenes Ohr und mich immer bei der Arbeit unterstützt. In den 8 Monaten meines FSJ’s konnte ich mich beruflich aber vor allem persönlich weiterentwickeln.

"Ich habe meinen Weg gefunden"

Dieses schöne Gefühl, was man von den behinderten Menschen vermittelt bekommt, kann ich einfach nicht in Worte fassen. So viel Spaß hat mir eine Tätigkeit noch nie zuvor in meinem Leben bereitet. Ich kann jedem, der über ein FSJ nachdenkt, es wirklich nur weiterempfehlen. Durch diese 8 Monate habe ich einen Weg für mich gefunden, der mich glücklich macht und ich werde auf jeden Fall in diesem Bereich bleiben.

Im August 2020 fange ich den Sozialassistenten an der BBS-EHS an, um im Anschluss eine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin zu beginnen. Ich bin für diese schöne Zeit unendlich dankbar!


Sebastian Pohl absolviert seinen BFD im Kolpinghaus Koblenz

Koblenz – „Es ist ein Treffpunkt zum Quatschen und Lernen“, sagt Sebastian Pohlmann. Der Neuwieder leistet noch bis Ende des Jahres einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Kolpinghaus in Koblenz und ist dort verantwortlich für den hauseigenen Pub.

„Ich frage die Leute, wie ihr Tag so war“, berichtet der 21-Jährige. Manchmal reden die Besucherinnen und Besucher sich an der Theke die Sorgen von der Seele; andere stehen am Kicker oder sitzen vor der Spielekonsole. Das Kolpinghaus ist eine katholische Wohn-, Freizeit-, und Bildungseinrichtung für junge Leute, in der sie  während ihrer Ausbildungs- oder Schulzeit dauerhaft wohnen können. Oder sie bleiben nur für ein paar Tage während eines Seminars und einer Fortbildung. Auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge können hier wohnen.

Selbstständiges Arbeiten als Bereicherung

Zu den Annehmlichkeiten des Hauses gehört eben auch ein Pub. Auf dem „Trockenen“ muss in der Kellerbar niemand sitzen. Sebastian Pohlmann behält den Überblick über die Bestände von Bier, Softgetränken oder Energy-Drinks und gibt die Getränke an die Kundinnen und Kunden heraus. Für die Abläufe in der Bar ist er alleine verantwortlich.

Während der ersten Corona-Beschränkungen musste allerdings auch der Pub schließen. Dann hat Sebastian einfach mehr Aufgaben im hauswirtschaftlichen Bereich übernommen. „Ich habe zum Beispiel Türgriffe desinfiziert oder Zimmer gereinigt“. Nun beginnt sein Arbeitstag aber wieder wie gewohnt um 15.30 Uhr. Um Mitternacht schließt er die Bar, räumt auf und radelt mit seinem e-Bike bis zu seinem Wohnort Neuwied zurück.

Den BFD im Kolpinghaus empfiehlt er in jedem Fall weiter. „Das selbstständige Arbeiten gefällt mir richtig gut und unterscheidet sich zum Beispiel von Praktikumsstellen, die ich schon hatte“. Eine gewisse Selbstständigkeit sollte man als BFD im Pub daher mitbringen, sagt Sebastian. „Zudem muss man den Überblick behalten und mit Gruppen umgehen können aber auch mit sich alleine klarkommen, wenn mal keine Gäste da sind“, erklärt er. Doch man sei nie ganz alleine im Haus, Ansprechpartner stehen jederzeit zur Verfügung. „Alle, mit denen ich Kontakt habe, sind super nett und hilfsbereit. Wenn man Probleme hat, findet man immer ein offenes Ohr“.

Freiwilligendienst als Orientierungsjahr

Sebastian ist noch auf der Suche nach seinem Traumberuf. Bevor im Januar sein BFD startete, absolvierte er eine Ausbildung zum Sozialassistenten und begann eine Erzieherausbildung. „Doch das war nicht so mein Ding“. Um sich neu zu orientieren, suchte er dann einen Freiwilligendienst. In die Gastronomie möchte er im Anschluss aber nicht einsteigen. „Ich will auf meine Stärken schauen und anhand dieser einen Job mit Hilfe der Arbeitsagentur auswählen“, erklärt der junge Mann seinen weiteren Plan. Gerne würde er sein Hobby – das Schreiben von Fantasy-Geschichten – zum Beruf machen, doch da ist er realistisch. „Das schaffen nur sehr wenige“.


Ilka Melzer verrichtet ihren „engagierten Vorruhestand” in einem Wohnheim für beeinträchtigte Menschen

Kleinblittersdorf – Im vergangenen Jahr um diese Zeit saß Ilka Melzer noch im Beschwerdemanagement der Deutschen Telekom. Ihre Berufslaufbahn bezeichnet sie als „klassische Beamtenlaufbahn” mit vielfältigen und abwechslungsreichen Tätigkeiten: Kundenkontakt, die Ausbildung von neuen Kollegen, Stationen in Saarbrücken und Ludwigshafen und eben zuletzt das Beschwerdemanagement. Ihr Arbeitgeber hat der Bundesbeamtin angeboten, in den Vorruhestand zu treten. Voraussetzung dafür war die Bereitschaft, entweder 1.000 ehrenamtliche Stunden zu leisten oder ein Jahr lang als Bundesfreiwillige im sozialen Bereich zu arbeiten. Melzer hat den Freiwilligendienst gewählt und arbeitet nun einem Wohnheim für beeinträchtigte Menschen der Barmherzigen Brüder in Kleinblittersdorf.

"Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben."

Nach anfänglicher Skepsis ist sie froh mit ihrer Entscheidung: „Ich hatte in meinem Leben so viel Glück, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben will.” Mit ihren Aufgaben im Haus St. Kamillus 3 ist sie so zufrieden, dass sie zurzeit überlegt, ihr Engagement auf 18 Monate auszudehnen.

Ein Bewohner hat sie zu Beginn liebevoll „die Küchenfrau” genannt, denn dort ist sie meistens zu finden. Ihr Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr: Sie kocht Kaffee und bereitet Brötchen und Aufstrich für das Frühstück vor, die 20 Bewohner im Haus – bis auf eine Frau ausschließlich Männer – decken den Tisch. Die Menschen hier brauchen aufgrund von Alkoholproblemen mit Folgeerkrankungen Unterstützung im Alltag und können nicht mehr allein leben.

"Man wächst mit seinen Aufgaben."

Schnell wurde sie zu einer Vertrauensperson. „Durch meine Aufgaben kann ich das Pflegepersonal entlasten und mir die Zeit nehmen, wenn jemand fragt, ob ich ihm behilflich sein kann, die Hosenträger anzuziehen. Meine Tür steht immer offen, das wissen die Bewohner auch”, erklärt Melzer die besondere Rolle, die sie als Freiwillige in der Einrichtung spielt. Auch ihrem Chef Elmar Martini, Abteilungsleiter des Hauses, merkt man an, wie froh er ist, dass Melzer zum Team gehört. Fremde Erwachsene so eng zu betreuen, ihnen beim Anziehen zu helfen oder sie zum Arzt zu begleiten, das hat sie anfangs nicht für möglich gehalten: „Das war für mich ein Meilenstein. Man wächst mit seinen Aufgaben.”

Eine ehemalige Arbeitskollegin hat Melzer den Tipp gegeben, sich in der Einrichtung zu bewerben und dafür ist sie ihr heute noch dankbar: „Ich habe hier ein tolles Team, nette Menschen und eine Leitung, die immer hinter mir steht und mich unterstützt.” Neben ihrer geregelten Arbeitswoche, in der sie werktags mit dem Frühstück und Mittagessen für die Versorgung der Bewohner mitverantwortlich ist, ist sie auch bei den Festen im Haus mit dabei: Im Multifunktionsraum wurde Weihnachten und Fastnacht gefeiert. Corona machte dann auch hier das Leben schwerer. Abläufe wurden verändert, was die Bewohner, die eine klare Tagesstruktur brauchen, verunsichert hat. „Die Anfangsphase der Pandemie war eine schlimme Zeit. Trotzdem hat alles gut geklappt. Es gab wenig Konflikte”, freut sie sich über die gute Zusammenarbeit im Haus.

Die Seminare als Bereicherung

Ebenso bereichernd wie die Arbeit im Haus St. Kamillus 3 sind für sie auch die begleitenden Seminare, die von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier organisiert werden. „Die Menschen, auch aus anderen Ländern wie Kenia, Simbabwe und Indien hätte ich privat nie kennengelernt.”

Bewegend sind für Ilka Melzer manche Reaktionen, wenn sie mit den Bewohnern zu Arztbesuchen unterwegs ist. „Wenn Menschen so abweisend reagieren, beispielsweise das Wartezimmer verlassen, wenn wir auch drin sitzen, dann werde ich auch wütend”, schildert sie diese Erfahrung. Vor allem weil sie jetzt nach dem knappen Jahr in Kleinblittersdorf weiß, wie bereichernd die Arbeit hier ist: „Man gibt und bekommt zurück, man muss es nur zulassen. Und ältere Leute haben viel zu geben, das müssten noch viel mehr machen. Das hier ist ein würdiger Abschluss meines Arbeitslebens.”


Selina Dahler verrichtet ihren BFD im Alten- und Pflegeheim Stift St. Irminen

Trier/Konz – Vor kurzem hat sie noch fürs Abi gepaukt, jetzt pflegt Selina Dahler (19) im Schichtdienst Seniorinnen und Senioren im Alten- und Pflegeheim Stift St. Irminen. Unterstützt wird sie dabei von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier. Mit dem sechsmonatigen Bundesfreiwilligendienst bei den Vereinigten Hospitien Trier überbrückt sie sinnvoll die Zeit bis zum Studienbeginn und leistet einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Ihr Einstieg fiel genau in die Zeit des Corona-Shutdowns, der Ausnahmefall ist für sie Normalität. Drei Monate sind inzwischen vergangen – und Selina ist um einige Erfahrungen reicher. Eine Zwischenbilanz. 

Keine Gruppenaktivitäten, das Mittagessen wird auf den Zimmern serviert und Besuche müssen zum Schutz vor dem gefährlichen Covid-19-Virus unter strengen Hygieneauflagen erfolgen: Corona stellt das Personal und die Bewohner des Pflegeheims St. Irminen im Herzen der Trierer Innenstadt vor erhebliche Herausforderungen. „Manche Senioren reagieren sehr sensibel auf die Einsamkeit und sind traurig“, erzählt Selina. Anfangs habe sie noch „krampfhaft versucht“, gute Laune zu verbreiten. „Das klappt aber nicht immer. Man stößt an seine Grenzen und es wird einem klar, dass man nicht der Retter der Welt ist.“ Gleichsam freue sie sich jedes Mal aufs Neue, wenn sie es dann doch mal schaffe, jemanden – und sei es nur für kurze Zeit – ein wenig aufzumuntern. „Man bekommt so viele unterschiedliche Schicksale mit und setzt sich mit Themen auseinander, mit denen man vorher noch nie in Berührung gekommen ist, oder die man sogar aktiv ausgeblendet hat“, berichtet sie, und meint damit die Einsamkeit, die manche Senioren verspüren, und den Tod.

Alltag umgekrempelt – neue Sicht auf die Dinge

Der jungen Frau aus Konz sei wichtig gewesen, vor Beginn ihres Psychologiestudiums im kommenden Herbst herauszufinden, ob sie der Herausforderung gewachsen sei, tagtäglich eng mit Menschen zu arbeiten. Seit sie das tut, hat sich ihr Leben grundlegend verändert. Dabei spielen nicht nur äußere Faktoren wie etwa der Schichtdienst, der den Biorhythmus schnell mal auf den Kopf stellt, eine Rolle. „Ich hab immer gedacht, Schule sei anstrengend“, lacht sie. Manchmal arbeitet sie zwölf Tage am Stück und hat dann vier Tage frei. Auch der Wechsel zwischen Früh- und Spätdienst sei gewöhnungsbedürftig und schlage schon mal aufs Gemüt. „Ich habe wirklich Respekt vor meinen Kolleginnen und Kollegen – den Menschen, die diesen Beruf ein ganzes Arbeitsleben lang ausüben“, betont Selina. Neben dem engen Austausch im Team haben die Freiwilligen täglich die Gelegenheit, Situationen, die sie besonders belasten, anzusprechen. Ergänzend finden regelmäßig Reflexionsgespräche statt. Wer mit einer Psychologin sprechen möchte, finde in den Mitarbeiterinnen der angeschlossenen Gerontologischen Beratungsstelle jederzeit eine Ansprechpartnerin. „Daneben ermutigen wir die Mitarbeitenden auch, eine seelsorgerische Begleitung anzunehmen“, so Siemer. Auch das Team der Sozialen Lerndienste im Bistum Trier steht den Freiwilligen bei Fragen oder Problemen stets zur Seite.

Inzwischen habe Selina eine völlig neue Sicht darauf, was Verantwortung bedeutet. „Die eigenen Bedürfnisse sind nicht mehr so wichtig wie vorher in der Schule. Dort ist man für sich selbst verantwortlich, z.B. wenn man keine Lust hat zu lernen: Die Konsequenzen daraus betreffen nur mich. Hier ist es anders. Hier kann ich nicht sagen, ich habe keine Lust, mit einer bestimmten Bewohnerin zur Toilette zu gehen. Schlimmstenfalls versucht sie es dann allein und stürzt. Das wäre unwürdig und hätte weitreichende Konsequenzen. Das wird einem hier bewusst.“ Auch ihre Freizeit gestaltet Selina umsichtiger als zuvor. „In den ersten Wochen habe ich mich wegen Corona komplett abgeschottet“, erzählt die 19-Jährige, die vor ihrem Bundesfreiwilligendienst statt Senioren Kinder auf Ferienfreizeiten betreut hat. „Ich habe weniger Angst, mich selbst anzustecken, als das Corona-Virus in die Einrichtung einzuschleppen und unsere Bewohner zu infizieren.“ Sogenannte Corona-Partys, auf denen Jugendliche und junge Erwachsene zuhauf gegen Hygieneregeln verstoßen, sind für sie ein klares No-Go. Auch ihre Hobbies Klettern und Poetry-Slam stellt die ehemalige Chefredakteurin der AVG-Schülerzeitung zurzeit hintenan.

Pudding im Gulasch

Oft gehe es auch sehr heiter zu in dem Pflegeheim und auch an kuriosen Situationen mangele es nicht. Als sie zum ersten Mal eine Kaffeekanne in der Kloschlüssel vorgefunden habe, sei sie schon verwundert gewesen, erzählt Selina. Das müsse man dann einfach mit Humor nehmen. Die Bewohner leiden mitunter an Demenz, können also etwa nicht mehr selbst beurteilen, ob der Pudding nun auf den Löffel oder ins Gulasch gehöre. „Da muss man schon dahinter sein“, erzählt Selina. Der körperliche Kontakt in der Assistenz beim Waschen oder „Zähne anziehen“ sei für sie schnell ganz selbstverständlich geworden, obwohl sie keinerlei Pflege-Erfahrung vorzuweisen hatte. „Man denkt gar nicht mehr darüber nach, wenn man es erst mal macht. Da sind Leute und die brauchen Hilfe. Punkt“, sagt sie über ihren Job, der ein Höchstmaß an Geduld erfordere und bei dem man persönliche Befindlichkeiten auch mal zurückstellen müsse.

Was sich in der Pflege ändern muss

Zur aktuellen Debatte um eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal, die durch den Ausbruch des Corona-Virus an Fahrt aufgenommen hat, hat sie daher eine klare Meinung: „Sie kommt zu spät! Die Debatte ist wichtig und muss geführt werden. Doch ich frage mich, was nach der Corona-Zeit davon hängen bleibt. Werden dann einfach Prämien gezahlt und das war’s dann? Natürlich freuen sich die Kollegen über einen Bonus, aber das reicht nicht.“ Das Pflege-Team in St. Irminen, das aus 74 Mitarbeitenden besteht, sei sehr gut aufgestellt, so Selinas Eindruck, es müsse aber generell über die Arbeitsbedingungen in der Pflege gesprochen werden. „Ich würde mir von Gesellschaft und Politik wünschen, dass man die deutschlandweite Respekt-Debatte weniger mit Applaus auf dem Balkon führen würde, und stattdessen Tatsachen sprechen ließe“, womit sie einen höheren Personalschlüssel und die Aufstockung finanzieller Mittel meint. „Eine Entlastung des Personals würde ja vor allem auch den Bewohnern zugutekommen.“

Denn am Schönsten sei es, Zeit für einzelne Bewohner zu haben. Einige der zurzeit 168 Bewohnerinnen und Bewohner sind ihr jetzt schon sehr ans Herz gewachsen, gesteht Selina. „Manche hab ich echt lieb und ich werde sie sicherlich vermissen, wenn mein Dienst hier beendet ist.“


Paula Sophie Geist absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst im Klimaschutzmanagement des Bistums

Trier - Mein Name ist Paula Sophie Geist und ich habe im März dieses Jahres (2020) meine Schulzeit mit dem Abitur abgeschlossen. Ich werde nun ein Jahr lang meinen Freiwilligendienst bei der Klimainitiative des Bistums absolvieren und die Klimaschutzmanagerin Frau Charlotte Kleinwächter bei anstehenden Projekten unterstützen. Besonders freue ich mich auf die Umsetzung eigener, kleinerer Projekte.

Warum habe ich mich dazu entschieden meinen Bundesfreiwilligendient bei der Klimainitiative des Bistums zu absolvieren?

Zurzeit weiß ich noch nicht genau, welche berufliche Richtung ich in der Zukunft einschlagen werde. Ich möchte mir noch etwas Zeit nehmen, eine endgültige Entscheidung zu treffen und das Jahr nach meinem Abitur dazu nutzen, mich zu orientieren und praktische Erfahrungen zu sammeln. Während meines Jahres bei der Klimainitiative erwarte ich, mehr über den Klimaschutz und dessen konkrete Umsetzung zu erfahren. Außerdem bin ich sehr daran interessiert, mehr über die Aktionen und Aktivitäten einer Klimaschutzmanagerin und die damit verbundene Verwaltungsarbeit zu erfahren.

In meiner Schulzeit konnten mich meine Leistungskurse Deutsch, Biologie und Erdkunde sehr für die Themen rund um unsere Umwelt begeistern. Insbesondere die aktuelle Klimaproblematik sowie die Folgen unseres Handelns wurden thematisiert und regten mich dazu an, mein eigenes Konsumverhalten und dessen Auswirkungen auf unsere Ökosysteme zu hinterfragen. Oft ist uns leider nicht bewusst, was für erhebliche, irreversible Schäden wir unserem einzigartigen Planeten Erde durch unüberlegtes Handeln zufügen. Dabei ist der Klimawandel bereits heute in Deutschland und auf der ganzen Welt wahrnehmbar. Extreme Wetterereignisse sowie trockenere Sommer und mildere Winter sind nur einige wenige Indizien für diese drastische Veränderung.

Bei den alltäglichen Dingen anfangen

Ich möchte mich gerne im Rahmen meines Freiwilligendienstes engagieren und meinen Beitrag leisten, eine ökologischere und sozial gerechtere Welt zu gestalten, und das am besten vor Ort in Trier. Veranstaltungen vorbereiten und durchführen oder bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen, sind Aufgabenfelder, die mich sehr interessieren. Mir persönlich ist es wichtig, ein Bewusstsein über die Verwundbarkeit unserer Mutter Erde zu schaffen, denn der Klimawandel geht uns alle etwas an. Dabei geht es nicht darum, den eigenen Lebensstil komplett infrage zu stellen - ich meine wer fährt nicht gerne in den Urlaub ans Meer oder in die Berge? Vielmehr gilt es bei den kleinen, alltäglichen Dingen anzufangen. Maßvolles, bewusstes Handeln eines/r jeden Einzelnen kann eine Inspiration für andere sein. Das große Ganze ist es letztendlich, auf das es ankommt.

Besonders am Herzen liegt mir der Waldschutz. Während meiner wöchentlichen Laufrunde durch den Trierer Weißhauswald wird mir jedes Mal aufs Neue bewusst, dass der Wald voller Schätze steckt, die es zu bewahren gilt. Zudem hängen unser Leben und unsere Lebensqualität enorm von der Gesundheit des Waldes ab. Er schenkt uns Sauerstoff zum Atmen, Wasser zum Trinken, Holz zur weiteren Verarbeitung und ist unverzichtbar für unsere biologische Artenvielfalt. All diese Leistungen, die der Wald auf natürliche Art und Weise für uns Menschen und unsere Umwelt bereitstellt, sind von existenzieller Bedeutung. Dennoch wird der Wald als Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen besonders mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. 73% der Bäume sind bereits heute verwundet, mitunter bedingt durch den Klimawandel.

Fridays for Future

Erfreulicherweise gewinnt der Klimaschutz heutzutage immer mehr an Bedeutung, insbesondere in der jüngeren Generation.Die Fridays for Future- Bewegung und andere Gruppierungen sind es, die aktiv ein wichtiges Zeichen für unsere Zukunft setzten und die Bedeutsamkeit des Klimaschutzes in die Gesellschaft tragen. In diesem Sinne möchte ich nun ebenfalls durch meinen Freiwilligendienst beim Bistum mithelfen, die Klimainitiative „Energiebewusst“ öffentlicher zu machen, um weitere Menschen für den Klimaschutz zu sensibilisieren.

Paula Sophie Geist, Bundesfreiwillige im Klimaschutzmanagement des Bistums

 

Zitat:

Viele kleine Leute in

vielen kleinen Orten, die

viele kleine Dinge tun,

können das Gesicht der

Welt verändern.

Afrikanisches Sprichwort

 

Quelle: Klimainitiative ENERGIEBEWUSST (Hrsg.) 2020: KlimaLetter 2020, S. 13-15.